Wie Phoenix aus der Asche – Box-Clubs erfinden 1. Bundesliga neu

BuLi Trainer bei der U21-DM v.l. Sebastian Szbik, Wismar, Frank Hillmer Chemnitz, Andre Walther Hamburg, Arthur Mattheis Seelze, sitzend Mike Hanke Berlin

BuLi Trainer bei der U21-DM v.l. Sebastian Szbik, Wismar, Frank Hillmer Chemnitz, Andre Walther Hamburg, Arthur Mattheis Seelze, sitzend Mike Hanke Berlin

Der Kampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft wird in der kommenden Saison so spannend wie selten zuvor.
Das alte System der 1. und 2. Bundesliga wurde vorerst abgeschafft und durch eine zweigleisige Liga ersetzt. Alte Zöpfe wurden abgeschnitten und durch erfrischende Konzepte ausgetauscht.

Das war dringend nötig, denn die 1. Bundesliga stand vor dem Kollaps. Das einstige Prestige-Projekt drohte zu scheitern.
Schon lange verlor das Oberhaus des deutschen Boxsports an Attraktivität. Zuschauer blieben aus und Sponsoren zogen sich zurück. Für einige Clubs war es absehbar, dass sie auf ihren Kosten sitzen bleiben würden.
2014 zogen der Velberter BC (VBC) und der BR Hanau die Reißleine und machten nicht mehr weiter. Im letzten Jahr erklärte der BC Straubing seinen Rückzug.
Für die kommende Saison signalisierte nur noch ein deutscher Verein seine Teilnahme – neben Teams aus Tschechien, Dänemark, Polen und Kroatien. Der Begriff „deutsche Bundesliga“ wäre für diese Kompilation genauso unpassend, wie ein Ballettröckchen für einen Schwergewichtsboxer.

Für die Clubs und den DBV war es höchste Zeit, die Probleme grundlegend zu lösen. Das taten sie und erfanden die 1. Bundesliga neu.

Detlef Jentsch - Liga-Manager

Detlef Jentsch – Liga-Manager

Management Liga-Obmann Karl Heinz Nitzsche übergab sein Amt an Detlef Jentsch. Nitzsches Nachfolger ist Sportwart des LV Brandenburg und ein gestandener Box-Funktionär. Für die neuen Aufgaben ist er ein „Volltreffer“.

Saison Acht Teams werden in einer Nord- und Südstaffel antreten. Es wird jeweils in einer Hin- und Rückrunde gekämpft. (Sechs Veranstaltungstage)
Die beiden Staffel-Ersten boxen in einem Playoff den deutschen Meister aus. Um Platz drei wird nicht gekämpft. Erster Kampftag ist der 10. Dezember.

Nord:

  • UBV 1948 Schwedt
  • Hamburg Giants
  • Boxteam Hanse Wismar
  • Hertha BSC

Süd:

  • BC Chemnitz 94
  • BSK Hannover-Seelze
  • BC Straubing
  • Nordhäuser SV

Das alte System der 1. und 2. Liga ist jedoch nicht endgültig abgeschafft, sondern nur ausgesetzt. Für die Saison 2017/2018 ist geplant, wieder zum alten Modus zurückzukehren, wobei die Erst- und Zweitplatzierten beider Staffeln die erste Bundesliga bilden werden und die Dritt- und Viertplatzierten in der Zweiten zusammengeführt werden sollen.

Reglement Die Mannschaftskämpfe finden in acht Gewichtsklassen statt und zwar: 56kg, 60kg, 64kg, 69kg, 75kg, 81kg, 91kg, +91kg
Die Regel des „Reisegewichts“, die ein Übergewicht von einem Kilogramm zuließ, wurde abgeschafft.
Zukünftig darf jede Mannschaft nur noch drei Einflieger nominieren, wovon einer zur Altersklasse U21 gehören muss.

Giants v.l. Andre Walther und Chrisitan Morales

Giants v.l. Andre Walther und Chrisitan Morales

Hamburg Giants – Die Neuen “Wir glauben, dass wir mit unserem Team auch in der Bundesliga mithalten können”, sagte Christian Morales im Interview mit go4boxing.com. Sein Cousin Raiko Morales und er erhielten vom Boxverband eine Lizenz für die Hamburg Giants, die den Boxsport in der Hansestadt wieder groß machen sollen. Ein Gigant ist auch ihr Zugpferd Peter Kadiru. Der Jugend‑Olympiasieger gehört zum Staff von Giant-Trainer Andre Walther und wird im Superschwergewicht fighten. Auch Walther sieht den Erfolg der Giants: „Wir haben gute Chancen oben mitzuboxen, denn unser Potenzial an jungen und auch erfahrenen Boxern ist gut.“

Zwei für den Titel
In der kommenden Saison werden es die Clubs aus dem ehemaligen Unterhaus leichter haben, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Denn bis auf das Superschwergewicht boxten sie bereits in den aktuell geforderten Gewichtsklassen.
Neben den Wölfen aus Chemnitz, gehört Hertha BSC zum Favoritenkreis. Hertha war das Überraschungsteam der letzten Saison. Trotz einer jungen Staffel belegte der Verein den dritten Tabellenplatz hinter Chemnitz und Hanau. Zwischenzeitlich sind Berlins junge Wilde zu exzellenten Boxern gereift.
Headcoach der Hertha-Staffel ist der zweifache Vize-Weltmeister Mike Hanke. Den Ligasport kennt der Brandenburger hoch und runter. Für den VBC boxte „Hammer-Hanke“ im Schwergewicht und führte den Verein von der zweiten in die erste Bundesliga. Nach seiner aktiven Laufbahn coachte er mit Hollands Nationaltrainer, Hennie van Bemmel den VBC und wurde mit dem Club zehnmal deutscher Champion in Folge. Mit diesen Erfolgen zählt er zu den ausgebufften Meistermachern. Hanke hat klare Visionen und eine davon ist der Titel. Das ist dem Diplomtrainer auf alle Fälle zuzutrauen, denn er ist ein exzellenter Netzwerker. Insofern wird er den einen oder anderen Spitzenboxer im Ärmel haben – Den  Düsseldorfer Timo Rost könnte er sich sehr gut im Mittelgewicht vorstellen. Vielleicht kämen ja auch Boxer aus Holland hinzu.

O-Töne aus den Clubs:

Hans Buchmeier, BC Straubing: „Straubing ist wieder da! Aber nachdem man sich sortiert hat, sollte man wieder in einer ersten und zweiten Liga boxen, wobei die Zweite maßgeblich der Nachwuchsförderung dienen muss.“

Arthur Mattheis, BSK Seelze: „Es ist gut, dass alle Mannschaften zusammen sind. So kann man junge Talente auch gegen erfahrenere Boxer testen. Ich bin zufrieden.“

Sebastian Szbik, Boxteam Hanse Wismar: „Eine Liga mit acht Mannschaften ist attraktiver wie zwei Ligen mit je vier Teams, auch für die Fans. Beim Nachwuchs kann ich mich nur Arturs Meinung anschließen.“

Olaf Leib, BC Chemnitz – die Wölfe: „Es ist eine Herausforderung, die uns mit  Sicherheit voranbringen wird. Da die eingleisige Liga zeitlich auf ein Jahr begrenzt ist, ist dies auch für alle Vereine akzeptabel.“

Zeitplan

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