NRW-Finale: Colonia-Boxer Sultani bezwingt Goman aus Köln-Kalk

v.l. Janek Goman, FK Köln-Kalk und Hadi Sultani, Colonia 06

v.l. Janek Goman, FK Köln-Kalk und Hadi Sultani, Colonia 06

Bilder: Fank Lorscheid

SC Colonia 06 organisiert erstklassiges Box-Finale. Kölner Sultani und Goman liefern sich hartes Gefecht. Harun Güler verliert gegen Nationalstaffel-Boxer.
Dortmunder Club ist erfolgreichster Verein.

„Die Kölner müssen sich ihre Stadt Schöntrinken und das mit schalem Bier aus viel zu kleinen Gläsern“, behaupten die Kritiker aus dem benachbarten Düsseldorf. Wenn es aber um den Boxsport geht, sind sich die gleichen Kritiker einig: Kölns Faustkämpfer sind TOP und das Ausrichten von Box-Veranstaltungen verstehen die Domstädter wie kein anderer. So war es auch auf dem Finale der NRW-Meisterschaft. Erstklassig, wie der SC Colonia 06 die Titelkämpfe organisierte. Und der Boxsport? Wahnsinn.

v.l. Tim Pham, FK MG und Artur Ratz, Lüdenscheid

v.l. Tim Pham, FK MG und Artur Ratz, Lüdenscheid

Worauf sich die Zuschauer in den 15 Kämpfen freuen konnten, zeigten Arthur Ratz aus Lüdenscheid und Mönchengladbachs Tim Pham. Kein Abtasten, kein Taktieren, die Leichtgewichtler gingen sofort steil nach vorn. Mit dicht vor das Gesicht gezogenen Fäusten drängte Pham in den Infight. Es war die falsche Taktik, um zu siegen. Durch seine Doppeldeckung fehlte Pham die benötigte Grundschnelligkeit, um den präzise schlagenden Lüdenscheider an den Seilen zu stellen. Einstimmiger Sieg für Ratz.

Robert Miah, BR Hilden, im Angriff gegen Rilind Cakaqi, Aachen

Robert Miah, BR Hilden, im Angriff gegen Rilind Cakaqi, Aachen

Neuer Nordrhein-Westfalen-Meister im B-Halbweltergewicht wurde Robert Miah aus Hilden. Der angehende Mechatronik-Ingenieur bezwang den Aachener Rilind Cakiqi nach Punkten. Miah ließ sich nicht von Cakiqis hängender Deckung provozieren, sondern wartete auf seine Chancen. Erstklassig mied er Cakiqis Schläge und kam mit trockenen Kontern zu vielen Treffern.
Miahs Vereinskamerad, Michael Alert, ist neuer NRW-Champion im Schwergewicht der B-Klasse. Bevor der Ringrichter den Arm des Hildeners hob, musste er gegen Artur Mahmedov aus Ibbenbühren Schwerstarbeit leisten. Mit dem Jab versuchte Alert seinen langen Aufwärtshaken vorzubereiten. Aber bevor er abziehen konnte, wühlte sich Mahmedov mit dem Kopf voran in den Mann. Alert behielt die Nerven und wich nicht von seiner Marschroute ab. Für seinen Hammer-Haken gab es gegen Mahmedov keine Gelegenheit. Sie war auch nicht nötig, denn allein durch seine Führhandschläge boxte er sich einen uneinholbaren Vorsprung heraus.

v.l. Janek Goman, FK Köln-Kalk und Hadi Sultani, Colonia 06 (1)

v.l. Janek Goman, FK Köln-Kalk und Hadi Sultani, Colonia 06 (1)

Köln-Kalk gegen Colonia-06, oder Janek Goman gegen Hadi Sultani, das war das Finale im Bantamgewicht, dass sich die Boxfans erhofft hatten. Goman und Sultani enttäuschten die Fans nicht, im Gegenteil, sie legten noch ein Schippchen drauf. Wie zwei Pitbulls gingen sie aufeinander los. Es war nicht der Kampf der Filigran-Techniker, es war der Kampf zweier Athleten, die über ihre körperliche Stärke und ihren unbrechbaren Willen um den Triumph fighteten. Sultani kam mit zunehmender Kampfdauer besser ins Gefecht und setzte sich durch beidhändiges Trommelfeuer gut in Szene. Das überzeugte auch die Jury. Neuer NRW Meister im Bantamgewicht ist Hadi Sultani.

v.l. Tobias Tatai, Colonia und Koray Bedir, DBR Nette

v.l. Tobias Tatai, Colonia und Koray Bedir, DBR Nette

Colonia-Kämpfer Tobias Tatai konnte nicht an Sultanis Leistung anknüpfen. Er unterlag knapp Koray Bedir aus Dortmund. „Es war ein enger Kampf, in dem ich die erste Runde für mich entscheiden konnte. Aber wenn man NRW-Meister werden will, muss man alle drei Runden gewinnen.“ Das ist die selbstkritische Analyse des sympathischen Studenten zu seiner Niederlage.

Harun Güler gab alles und verlor trotzdem. Güler überraschte den Oberhausener Nationalstaffel-Boxer Abass Baraou mit bissigen Attacken. Der Colonia-Boxer setzte alles auf Angriff. Aus der Doppeldeckung versuchte er Baraou für seine Aufwärtshaken zu stellen. Doch dafür musste er sich durch die harten Kopf- und Körperschläge arbeiten, die der Oberhausener abfeuerte. Mehrfach war Ringarzt Dr. Sobotke gefordert, denn Güler zog sich einen Cut an der Schläfe zu. Referee Thorsten Broll brach in der letzten Runde das Gefecht ab. Zu groß war ihm die Gefahr, dass sich Güler schwerer verletzte. Fair gratulierte Güler dem Überflieger aus Oberhausen zum Sieg. Trotz des vorzeitigen Endes hätte es Güler sicherlich nicht mehr geschafft, seinen Punkte-Rückstand aufzuholen.

Der erfolgreichste Verein kam aus Westfalen. Alle Starter des Dortmunder Boxrings Nette (DBR) holten den Titel. Neben Koray Bedir triumphierte Elvis Hetemi einstimmig über Colonias Ibragim Bazuew, genauso wie Mittelgewichtler Dimitri Beck, der durch einen Aufgabesieg in der 3. Runde Ercan Tuncel aus Leverkusen bezwang.

Ergebnisse (PN=Punktniederlage, PS=Punktsieg)
Männer
B-60KG Arthur Ratz, Lüdenscheider BR, PS gegen Tim Pham, FK Mönchengladbach
B-64KG Rilind Cakiqi, PTSV Aachen, PN gegen Robert Miah, BR Hilden
B-69KG Akadius Kaniewski, BSC Köln-Mülheim, PN gegen Elah Al-Magamseh, Telekom Münster
B-75KG Leo Horstmann, BC Münster, PN gegen Christian Schwefel, Bayer 04 Leverkusen
B-81KG Kevin Holtkötter, BC Münster, WO gegen Alexander Hepp, BC Mülheim-Dümpten,
PS B-91KG Michael Alert, BR Hilden, PS über Artur Mahmedov BSV Ibbenbühren
A-56KG Hadi Sultani, Colonia-06, PS gegen Janek Goman, FK Köln-Kalk
A-60KG Koray Bedir, BR Dortmund-Nette, PS gegen Tobias Tatai, Colonia-06
A-64KG Liridon Klinaku, ATV Bad-Honef, PS gegen Malke Buyukkaya, TV Gronau
A-69KG Abass Baraou, RF Oberhausen, PS gegen Harun Güler, Colonia-06
A-75KG Dimitri Beck, BR Dortmund-Nette, TKO-A Rd. 3 gegen Ercan Tuncel, Bayer 04 Leverkusen
A-81KG Elvis Hetemi, BR Dortmund-Nette, PS gegen Ibragim Bazuew, Colonia-06
A-91KG Vladimir Eichholz, PSV Düsseldorf, PN gegen Roman Fress, Velberter BC
A+91KG Max Keller, PTSV Aachen, PS gegen Aziz Jusopovich, BC Mülheim-Dümpten

Frauen
B-64KG Stefanie Tubach, BSU Wuppertal, TKO-A Rd. 2 gegen Jennifer Pottmeyer, BSK Dortmund