BuLi: Velberter BC bekommt Klatsche in Babelsberg

Von Hubert Wildschütz

Nach knapper 11:12 Niederlage in Babelsberg zählt gegen BC Straubing nur ein Sieg des VBC
Weiss und Makarov fehlte nur ein Treffer zum Sieg

Artur Bril und Athde Gashi

Artur Bril (links) gegen Athde Gashi im Vorwärtsgang

Diese neue erste Bundesliga ist auch für den Serienmeister Velberter Box-Club 1922 kein Wunschkonzert. Das sieggewohnte Team, betreut von Hennie van Bemmel und Mike Hanke, unterlag beim SV Motor Babelsberg sensationell mit 11:12. Harte Kämpfe, in  denen die Boxtechnik zu kurz kam, waren Trumpf. Dennoch ging es in Potsdam gegenüber der Filmstadt Babelsberg in einem Toyota-Autohaus ausgesprochen fair zu. „Mit der Leistung des Kampfgerichts können wir leben“, bestätigte VBC-Vorsitzender Hans-Gerd Rosik. “Nur im ersten Wertungskampf im Bantamgewicht von Europameister Denis Makarov gegen seinen Dauerrivalen Marcel Schneider habe ich unseren Boxer knapp vorne gesehen…“

Da hatte allerdings die Jury ein Einsehen und belohnte den Mut von Schneider, gegen Makarov nicht die fünfte Niederlage in Folge zu kassieren mit einem 13:13-Remis. „Vertretbar, wenn auch unglücklich für uns…“ zog Hennie van Bemmel ein Fazit. Der Niederländer ist seit 18 Jahren Chefcoach beim Velberter BC, ein Erfolgstrainer durch und durch. Säuerlich reagierte er auf den Trainingszustand und damit verbundene Gewichtsprobleme einiger seiner Boxer. „Die Bundesliga dauert nur vier Monate und alle unsere Sportler sind vor der Saison eine Verpflichtung eingegangen, haben aber ihre Gewichtsklasse nicht gehalten. Das stellte uns von Kampf zum Kampf vor Probleme. Hinzu kommt die Nominierung von Leistungsträgern für die Weltmeisterschaft, die Weltliga (World Series of Boxing), die Einzelmeisterschaften der Elite und der U21.

Mit dem Kampf gegen das Übergewicht meinte der Erfolgscoach vor  allem Alexander Miller, Artem Merjasov, Gottlieb Weiss und Konstantin Buga. Miller packte nur mit Mühe das 69-Kilo-Limit, lag gegen den Deutschen Meister Arayk Marutyan bereits klar nach Punkten zurück, als er wegen einer stark blutenden Nasenverletzung aufstecken musste. Sein Kollege im Weltergewicht, der verdienstvolle mehrfache Deutsche Meister Merjasov, beendete seine Karriere nach einem Leistungstief vor wenigen Wochen, für ihn haben Familie und Beruf jetzt Vorrang.
Und Konstantin „Kosta“ Buga ist meilenweit von seinem Weltranglistenplatz fünf im Jahre 2009 entfernt. Bei der „Elite-DM“ in Leipzig musste er neun (!) Kilo abspecken, um das Mittelgewicht (75 Kg) zu erreichen. Buga verlor geschwächt gegen den Niedersachsen Jakob Deines. Er sieht seinen Platz künftig im Halbschwergewicht (81 Kg). Und in dieser Gewichtsklasse hat er starke Konkurrenz beim VBC. Der Deutsche Meister Gottlieb Weiss wechselte zwar ins leichte Schwergewicht (91 Kg), fand aber in dem früheren Hertha-Boxer und Angstgegner von Robert Woge, René Krause seinen Nachfolger. Krause unterlag gegen den russischen Weltklasseboxer Jaroslav Minin (98 Kämpfe, 90 Siege, ein Unentschieden, sieben Niederlagen) knapp nach Punkten. Im Hinkampf in der Sporthalle Birth gab es ein Remis.
Im Schwergewicht hatte es der technisch bessere Gottlieb Weiss mit dem robusten früheren DM Stefan Köber.
zu tun. Ein einziger Treffer fehlte Weiss zum Remis, zwei Treffer fehlten zum Punktsieg. So gewann Köber unpopulär mit 15:14.
Eine starke Leistung bot Artur Schmidt, der ins Halbweltergewicht aufstieg und dem tschechischen-Weltklasseboxer Chladek Zdenek Paroli bot, jede harte Serie des Favoriten mit tollen Kombinationen beantwortete. Ende der zweiten Runde zog sich Schmidt eine schmerzhafte Rippenverletzung zu, die ihn außer Gefecht setzte.
Die Vielfachbelastung – Abitur, Weltliga, Bundesliga, internationale Turniere, DM u21, DM Elite –setzen dem Jugend-Olympiasieger und Jugend-Weltmeister Artur Bril mächtig zu. Gegen den in Rechtsauslage boxenden Bayernmeister Athde Gashi musste das größte Talent des deutschen Boxsports alle Register ziehen, um einen – allerdings ungefährdeten – 26:17 Punktsieg einzufahren. Für den Babelsberger Boxer war es der „Fight seines Lebens.
Die Super-Schweren, der 3. der WM, Erik Pfeifer (VBC) und die Nr. 9 der Weltrangliste Vitalius Subacius lieferten sich einen Kampf auf Augenhöhe, aber ohne spektakuläre Höhepunkte. Pfeifer siegte 18:11, in der Schlussrunde gab es vor 700 Zuschauern – darunter fast 100 Velberter Fans – einen Nichtangriffspakt.
Ein sicherer Sieggarant ist Peter Mullenberg aus den Niederlanden. Ob im Mittel- oder im Halbschwergewicht, Mullenberg eilt von Sieg zu Sieg. Gegen Ali Celik siegte der VBC-Fighter Ende der zweiten Runde vorzeitig. Bur im Hinkampf in Straubing musste er sich mit einem 13:13 Remis gegen den Deutschen Meister Denis Radovan begnügen. In Velbert kann er dieses Fehlurteil am nächsten Samstag (20 Uhr, Sporthalle Birth, von Humboldt-Straße) revidieren. Straubing kommt, für das VBC-Team ein Kampf mit Kick. In Bayern fühlten sich Gästeteam und Mannschaftsleitung (Mike Hanke/Hubert Wildschütz) nicht fair behandelt. Jetzt gibt´s die Revanche.

Ein junger „Huck“ im VBC-Trikot…

Die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit des VBC wurde auch in Potsdam im Ligakampf gegen Motor Babelsberg untermauert. Während Maurice  Karner im Junioren-Bantamgewichtt kampflos siegt, Gegner Kevin Seidel trat nicht an, zeigte Denis Hukic ein ausgezeichnetes Debüt. In seinem ersten Kampf hatte der Schüler (40 Kg) Vorteile gegen den Babelsberger Christian Schramm, wurde dennoch zum knappen Punktverlierer erklärt. Für Jugendtrainer Michael Vogel, auch bekannt als AIBA-Kampfrichter, nicht verständlich.  Der kleine Hukic, dessen Onkel Marco Huck bei den Profis Weltmeister ist, zeigte den „wahren Huck“: „Jetzt erst recht“, sagte er und freut sich auf die nächsten Kämpfe  für den VBC.

 Velberter Box-Club auf Meisterkurs 

Trotz der knappen Niederlage bei Motor Babelsberg setzt der VBC-Motor nicht aus: Mit 4:2 Punkten (36/32 Einzelwertung) führen die Bergischen Löwen die Gruppentabelle an. Babelsberg ist auf Rang zwei (4:4, 45/48) und Straubing Gruppendritter (2:4, 35/36).  Nur bei einem nicht zu erwartenden klaren Sieg des Straubinger-Teams in Velbert kann sich die Situation noch ändern. Ein Heimsieg oder ein Remis in der Mannschaftswertung würde den Abonnementsmeister Velbert erneut ins Finale katapultieren.
Am Karnevalssamstag findet der erste Fight der Endrunde (Seelze bei Hannover), Nordhäuser SV (bei Leipzig) oder Hertha BSC Berlin bieten sich als Finalpartner an. Die Niedersachsenstaffel aus Seelze ist vorne, falls Nordhausen in Berlin nicht siegt oder remis boxt.
Der Rückkampf des Finales wäre dann am Samstag, 25. Februar, 20 Uhr in Velbert. VBC-Pressesprecher Hubert Wildschütz: „Wir hoffen auf den zehnten deutschen Titel in Folge; den elften insgesamt. Dann geht es international weiter. Im April startet der VBC gegen den Boxteam Nord aus Dänemark. Gleichzeitig der Jubiläumskampf zum 90. Vereinsgeburtstag…“